Auffällig viele Brillenträger standen in und an den Boxen der großen Fernsehhersteller, denn 3D war überall. Nahezu jede namhafte TV-Manufaktur der Welt hatte mindestens ein Modell mit Raumblick im Programm. Der derzeitige Mangel an 3D-Filmen führte glücklicherweise dazu, dass überall der gleiche Demofilm (irgendwas mit „Surfen auf Hawaii“) über die Mattscheibe flimmerte – das erleichtert einem ungemein den Vergleich. Die derzeit erzielbare Qualität ist erstaunlich gut und steht dem 3D-Kino bis auf Größe, Atmosphäre und den echten Nachos in nichts nach. Ärgerlich beim 3D-Fernsehen ist nur, dass man diese Plastikbrillen tragen muss.
Innovativ
Genau das dachten sich auch die Fraunhofer Wissenschaftler und stellten ein Konzept vor, wie die Sache mit dem 3D auch mit nackten Augen funktionieren kann: durch ein dynamisches Hologramm. Wie es sich für echte Wissenschaftler gehört, wurde der 3D-Fernseher ohne 3D-Brille sachlich und wenig spektakulär präsentiert. Der bisher erreichte Entwicklungsstand erstaunte mich dafür umso mehr. Die Fraunhofer Panels und die dazu passenden Elektroniken und Algorithmen ermöglichen es bis zu 9 Zuschauern, die sich in normalem Betrachtungsabstand rund um das Gerät anordnen, ein perfektes 3D Video zu servieren. Zwar erzielt der Prototyp noch nicht ganz die Schärfe seiner bereits kommerzialisierten Brüder mit Brille, die Fraunhofer Ingenieure zeigen aber klar, wohin die Reise geht. Die Technologie erlaubt zudem den einzelnen Betrachtern unterschiedliche Videos vorzuführen. Man kennt dies in vereinfachter Form bereits in der automobilen Oberklasse. Während der Fahrer auf den Display das Navigationssystem verfolgt, genießt der Beifahrer auf dem selben Display einen Spielfilm.
Dünn
Neben der 3D-Technologie versuchten sich die Fernsehproduzenten in einer weiteren Disziplin gegenseitig zu übertreffen: „wer baut den flachsten“. Hier haben die Koreaner klar die Nase vorn. Samsung und LG stellen Geräte vor, deren Dicke deutlich unter 8mm liegen. Natürlich kaschieren dabei beide, das der beeindruckte Messegast lediglich das Panel sieht, die Leistungselektronik wurde geschickt versteckt.
LG kommt mit seinen OLED-Displays (siehe Video) sogar unter 3mm Dicke, Leider aber bisher für knappe 31“ Diagonale und zu einem erwarteten Marktpreis von knapp 6000 EUR. In Sachen Design können sich die koreanischen Geräte sich mittlerweile wirklich sehen lassen.
Mobil
Geschäftsreisenden, die nicht gleich ihr halbes 3D Home Cinema im Flugzeug mitschleppen möchten, hilft Carl Zeiss mit einer neuen Generation des Cinemizers. Die “spacige” Brille liegt etwas schwer auf Ohren und Nasen, die Bildqualität überzeugt dennoch im vollen Umfang.
Die Lufthansa kann schonmal damit beginnen die In-Seat-Displays durch kleine Minibars und Popcorn-Spender auszustauschen.
Altbacken
Schaut man sich den derzeitigen Entwicklungsstand an, so scheinen gerade die deutschen Firmen einige Trends verschlafen zu haben. Der mit „Made in Germany“ beworbene Hersteller Metz beispielsweise scheint sich im Vergleich zu seinen Konkurrenten im medialen Mittelalter zu bewegen. Dick und schrullig muteten die Geräte von Metz an, dessen größte Leistung es war eine Festplatte in den mit Hartplastik ummantelten Bildschirm zu schrauben. Ich hoffe, dass Deutschland hier schnell wieder aufholen wird.



