Dass kurz vor einem anstehenden Apple-Event die Gerüchte um neue Produkte mit dem Apfel-Logo den Siedepunkt erreichen ist mittlerweile obligatorisch. Für September steht neben einem Update des iPod-Touch – in dem Apple die ganzen tollen Komponenten wie A4 Prozessor, Retina Display und Frontkamera installieren darf – insbesondere der Apple TV Nachfolger (Codename iTV) im Zentrum der mit Insiderwissen aufgeblähten Glaskugeln.
Früh kursierten Vermutungen, dass der AppleTV-Nachfolger ein extrem kostengünstiges Gerät (um die 99$) mit geringem Speicher ist, welches mit dem iOS Betriebssystem betrieben wird; also eine Art iPod Touch ohne Display. Die Schlankheitsspekulationen begründen sich vor allem durch Apple’s Übernahme des Musik-Streaming-Dienstes Lala. So stehen Vermutungen im Raum, dass das iTV künftig über iTunes aus der Cloud bedient wird. Videoinhalte werden also direkt über das Netz auf das Gerät “gestreamt”. Somit benötigt das iTV selbst nur noch einen sehr kleinen, lokalen “Zwischenspeicher”. Die iOS-Basis würde zudem den Betrieb von Apps ermöglichen, welches die Medien in die Nähe von deutlich mehr Interaktivität und Funktionalität bringen würde. Auch könnten Gerät wie das iPad und das iPhone stärker in das heimische, mediale Erlebnis eingebunden werden.
Sollte Apple in dieser Richtung wirklich ernst machen, stellt sich noch die Frage, wie man technisch den beliebten “beduseln lassen”-Effekt des herkömmlichen Fernsehens abbilden möchte. Filme und Fernsehserien kaufen bzw. leihen ist bereits schon heute in iTunes möglich. Allerdings erfordert dies zunächst eine aktive Suche des Zuschauers nach Inhalten – ähnlich einem Gang durch die Videothek. Das konventionelle Fernsehen bietet hingegen redaktionell vorgekaute zusammengestellte Inhalte, die der Zuschauer nur noch konsumieren muss. Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil, was Entspannung ohne besonderes Ziel betrifft. Hier könnte Apple’s Genius-Ansatz dem Zuschauer bei Bedarf einen kontinuierlichen Sendungsfluss liefern, der dann auch noch annähernd seinem persönlichen Interessensprofil entspräche.
Lieder ist aber zu erwarten, dass selbst wenn iTV den passiven Konsum (klassisches Fernsehen) ebenso befriedigt, wie den Konsum von “Content on Demand” (heutiger iTunes-Ansatz), zunächst nur die USA in diesen Genuss kommen wird. Wir Deutschen werden dann wohl über übel noch länger an unseren Kabelgesellschaften kleben bleiben oder unsere Satelitenschüsseln anzapfen. Vielleicht aber wird sich wieder alles ändern … zumindest so oder so ähnlich sieht es Digg-Gründer Kevin Rose und so oder so ähnlich wird es Steve Jobs dann auch auf der Keynote verkaufen. Die Spannung steigt und bald sind wir wieder etwas schlauer.


