Bei Anwendungen, mit denen traditionell auf richtigen Rechnern wie Desktops oder Notebooks gearbeitet wird, bin ich stets skeptisch, wenn diese auf Mobilgeräte portiert werden. Nicht anders verhält sich das mit iMovie für iPhone. Trotz seiner Funktionseinschränkungen gegenüber Final Cut, bin ich mittlerweile ein Fan von iMovie auf dem Mac geworden, da sich kurze Clips in guter Qualität einfach schneiden und vertonen lassen. Aufgenommene Videoclips direkt unterwegs zu bearbeiten hat gerade von dem Hintergrund der Sozialen Netzwerke einen gewissen Charme. Doch ist es trotz der kleinen Displayfläche des iPhones wirklich möglich einen effizient Film zu schneiden? Die Antwort ist: erstaunlicherweise ja.
Die App kurz umrissen
Das Wichtigste zuerst: iMovie für iPhone läuft regulär nur auf dem iPhone 4. Das User-Interface von iMovie ist gut auf den kleinen Bildschirm adaptiert. Die Bedienung ist trotz meiner verhältnismäßig grossen Hände einfach und flüssig. Der Funktionsumfang ist gegenüber der Mac-Version natürlich deutlich reduziert. So stellt iMovie für iPhone nur wenig Gestaltungsthemen bereit, die zudem eher dem amerikanischen denn dem Europäischen Geschmack entsprechen. Das gewählte Thema bestimmt dann auch automatisch, wie die überlagerten Titel für das Video aussehen. Viel Eigenkreativität lässt iMovie für iPhone damit nicht zu.
Die Software arbeitet mit der aus iMovie bekannten Timeline. In diese Zeitleiste lassen sich Videoclips und Bilder aus der Mediathek oder durch Direktaufnahme einsetzen. Die Clips können in der Timeline nur in der Länge beschnitten werden und Übergänge werden automatisch hinzugefügt. Als Standardübergang setzt iMovie ein Überblenden zwischen die Clips. Jedes Thema bringt aber einen weiteren, anspruchsvolleren Übergang mit sich, der optional aktiviert werden kann. Das Schnittergebnis lässt im Vorschaubereich beobachten und durch die Zeitleiste bewegt man sich durch Wischen.
Und diese Dinge nerven noch
Einige sehr ärgerliche Schwachpunkte besitzt die kostengünstige App (3,99 EUR im AppStore) dennoch. Unverständlich ist für mich, warum ich bei abgeschalteten Ortungsdiensten (also für iMovie deaktivertem GPS-Tagging) keinen Zugriff auf meine Fotos und Videos habe.
Zudem besteht keine Verbindung zwischen der Standard App “Sprachmemo” und iMovie. Lediglich Musik aus der iPod-Mediathek oder einige iMovie-Standardsongs können zur Vertonung herangezogen werden. Sprachaufzeichnung bleiben damit außen vor. Eigentlich schade, denn gerade diese Funktion hätte ich heute gut gebrauchen können.
Ein weiteres klares Minus von iMovie ist, dass innerhalb der iMovie Mediathek nicht gesucht werden kann. Bei der Suche nach der passenden Musik scrollt man sich einen Wolf und die Songs lassen sich auch nicht anspielen. Hier muss Apple schnell nachbessern, denn wer Telefone mit 32GB Speicher verkauft, der sollte auch davon ausgehen, dass einige Kunden mehr als 5 Lieder gespeichert haben. Die gesamte Mediathekeinbindung in iMovie ist also eher rudimentär umgesetzt. Ich würde mir wünschen, wenn die nächsten Updates hier Verbesserungen bringen würden. Zuguterletzt ein Beispielschnitt mit Bildern aus New York
Beispielschnitt
Das folgende Video ist in seiner Auflösung deutlich reduziert worden. Das iPhone 4 filmt und schneidet Videos bis zu einer HD-Auflösung von 720p.



nic
10. August 2010 ·
Dein Beitrag ruft mir gerade ins Gewissen, dass ich diese App mir noch zur Brust nehmen möchte. Ich gebe es zu; ich habe die App noch kein einziges Mal gestartet…
Irritierend natürlich – wie erwähnt – dass man bei Deaktivierung der Ortungsdienste keinen Zugriff auf die Fotos/Videos haben soll? Oder gab es hier in der Zwischenzeit bereits neue Erkenntnisse? Einmal abgesehen noch von der fehlenden Suchfunktion – hierzu erübrigt sich wohl ein weiterer Kommentar.