Die Aufregung um Google StreetView in Deutschland bleibt groß. Neben dem mittlerweile im Netz berühmt gewordenen Bikinigirl Juliane W. aus Gerstungen, die befürchtet dass Google StreetView Spanner auf ihren Balkon lockt, melden sich auch gerne mehr oder minder prominente Personen mit “ohne Wissen” in der einschlägigen Boulevard-Presse zu Wort. Dabei scheinen die wenigsten zu ahnen, wie Google StreetView Aufnahmen überhaupt aussehen. Stefan Niggemeier hat dies in seinem BILDblog wunderschön kommentiert.
Kennen Sie zum Beispiel diesen Mann, der dort so entspannt vor dem New Yorker Apple Store daher schlendert? Nein? “Er”kennen wird ihn wahrscheinlich auch sein bester Freund nicht. Denn die maximale Vergrößerung zeigt, dass sie nichts zeigt.
Ob die Zeitgenossen im unteren Foto allerdings eine Petition unterschrieben, dass ihr Anlitz nicht im Internet veröffentlich werden darf, war für mich schwer zu recherchieren. Leider sind diese sicherlich freundlichen Personen aber von jedem Menschen mit Internetzugang leicht über die Bildsuche unter dem Suchbegriff “Apple Store New York” ausfindig zu machen.
Manigfaltige Quellen liefern – einfach über Geodaten oder Adressnamen zu finden – Fotos von allen erdenklichen Orten und Veranstaltungen. Mit ein wenig Aufwand, allerdings ohne besondere Hilfsmittel, erhält man Detailinformationen über nahezu alles und jeden auf der Welt. Für vollkommen Suchfaule bietet Google bereits heute Panoramio, welches Fotos mit den entsprechenden Ortsinformationen auf der GoogleEarth-Karte verknüpft. Mit etwas Glück findet man dort auch die passenden YouTube Videos.
Fassaden lassen sich derzeit über verschiedene Services betrachten. Im Folgenden sehen wir das Beispiel eines einfachen Wohnblocks in Ann Arbor, Michigan. Das linke Bild zeigt die Google StreetView-Aufnahme (böse), das mittlere Bild die Luftbild-Vogelperspektive in Microsoft’s Bing Maps und das rechte Foto ist das Ergebnis einer Internetsuche über den Adressnamen. Hier frage ich mich wirklich, welches Bild das gefährlichste ist. Bikinigirl Juliane hätte man links auf ihrem Balkon wohl kaum erkennen können.
Vergleicht man diese Beispiele und setzt die Sache dann in Bezug zu Facebook, dasoertliche.de u.s.w. verliert Google StreetView recht schnell seine Bedrohlichkeit. Einen wirklich guten Artikel dazu schreibt Anatol Stefanowitsch in seinen Wissenslogs und G! Gutjahr hat das ganze natürlich auch nicht unkommentiert gelassen.
Mit gutem Beispiel voran
Um der Bevölkerung die Angst vor StreetView zu nehmen, hat Google in enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat den Deutschen Bundestag bzw. das Reichstagsgebäude als kleinen Teaser in Google Earth gestellt. Man muss aber auch wirklich sehr nah heran zoomen, um es zu finden.
Optionen offen halten
Für Bürger, die sich noch nicht entscheiden möchten, besteht natürlich immer die Möglichkeit ihr Haus zur Straße hin mit einem Greenscreen abzudecken. Dies hat den Vorteil, dass – sollte Google in den nächsten 10 Jahren eine Choma Key-Funktion in Earth implementieren – man das eigene Haus so aussehen lassen kann, wie man es mag. Mit ein wenig grünem Filz aus dem Baumarkt ist ein solches Projekt ohne großen Aufwand umzusetzen. Entsprechende Bauanleitungen kann man googeln.
Einfach ducken
Wem die ganze Sache dann doch zu heiss ist, der sollte sich beim Anblick eines solches Fahrzeugs einfach ducken.
Dies gilt dann übrigens bei der Sichtung jeder kleinen Digitalkamera in den Händen Fremder. Wer weiss denn, ob man sein Gesicht nicht schon am gleichen Abend samt EXIF Geodaten in Flickr.com wieder zu finden ist?
In diesem Sinne,
bitte Lächeln!














nic
21. August 2010 ·
Ein sehr guter Bericht – schon zum zweiten Mal durchgelesen; ja, das gibt’s bei mir auch. Passend dazu macht übrigens diese Geschichte (http://thurly.net/x0o) auch noch die Runde.
…tja…
dk
19. September 2010 ·
Es ist Mitte September und schon haben laut Spiegel hunderttausende Deutsche Widerspruch eingelegt. So ist es wohl in Deutschland.