Bei Twitter: kurzer Blick auf den Galaxyplayer 50! Dort läuft sogar die iOS Maps App :-D. http://t.co/ROdmPblw 2011-10-18
90er Jahre-Feeling im Wohnzimmer

Ich gebe zu, als Apple User ist man hinsichtlich Bedienung und Zuverlässigkeit von elektronischen Unterhaltungs- und Arbeitsgeräten etwas verwöhnt. Was einem einige deutsche Kabelgesellschaften aber technisch im Wohnzimmer zumuten, grenzt schon an Folter.  Da der Kabelmarkt nur sehr entfernt etwas mit freiem Wettbewerb, Leistung und Kundenzufriedenheit zu tun hat, ist man aber leider dazu verdonnert, mit diesen Unzulänglichkeiten zu leben. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Anbringung von Satelitenschüsseln am Haus verboten ist.

Eine Reise in die Vergangenheit bin ich angetreten, als ich einen -Reciever der Firma über den Kabelprovider bestellte. Das Gerät kostet bei 24 monatiger Vertragslaufzeit um die 300 Euro. Das “hochglanz”-Werbebild der -Website (Bildquelle: .de) täuscht etwas über die billige Plastikanmutung des Geräts hinweg. Das Display erinnert eher an einen Selbstbausatz aus dem Bastelkatalog.  Auch wenn man kein technischer Ästhet ist oder einen entsprechend wenig einsehbaren Platz zum Aufstellen gefunden hat, zeigen sich schnell die technischen Schwächen des Receivers.

Menüs

Da wäre zunächst die Benutzerführung zu nennen. Die Menüstrukturen und die Optik erinnern an japanische Entertainment-Geräte der späten 90er Jahre. Viel Text, wenig intuitiv und unendlich langsam. Dass es auch anders geht, zeigt mein Philips Flatscreen mit reaktionsschneller und gut gestalteter Oberfläche. Ab und zu ändere ich einfach mal die Helligkeit des Fernsehers, nur um mich von den KAON-Menüs zu erholen.

Die schwarze Plastikbox ist übrigens so träge, dass der User nach jeder Eingabe mit der Fernbedienung mindestens eine Sekunde lang warten sollte. Der Verzögerung zwischen Gerät und Bedienung führt sonst zum nachgelagerten, schnellen Abspulen von Befehlen. Freuding auf- und zuspringende Menüpunkte oder rasant wechselnde Sender sind dann die Folge. Mit 80 scheint einen das nicht so zu stören, als Mittdreißiger schon.

Aber zurück zur Benutzerfreundlichkeit. Die zweiteinfachste Aufgabe beim Fernsehen (nach dem Gucken) ist das Zappen. Damit entspanntest Zappen möglich wird, erwartet der Zuschauer, dass er die Sender in eine für ihn angenehme Reihenfolge bringen kann – klingt erst einmal einfach.

Sender sortieren?

Hier hat die Primacom / Kaon Kooperation sich etwas grandioses einfallen lassen: eine Senderliste und eine Favoritenliste.

Die Senderliste beinhaltet alle Programme, die das digitale Kabel so her gibt – also gefühlte 4 Billionen an der Zahl. Dabei finden sich Sender wie die ARD HD eher auf den hinteren Rängen, während vorne große Klassiker wie QVC einsortiert sind. Also ganz dem modernen, deutschen Zuschauerbild angepasst.

Die Favoritenliste soll dann – frei sortierbar – Papas Lieblingskanäle aufreihen. Beim Zappen muss der Nutzer nun genau darauf achten, in welcher Liste er sich gerade befindet. Angezeigt wird ihm das lediglich über ein kleines Sternchen im unteren Programmbanner während des Umschaltens. Die auf Favoritenplatz 1 gespeicherte ARD behält dann aber trotzdem die Nummer 250 und die Verwirrung ist perfekt. An ein schnelles Umschalten mit dem Ziffernblock der Fernbedienung ist nicht mehr zu denken.

Programmführer

Wie alle modernen Geräte verfügt auch der Primacom-Reciever über einen elektronischen Programmführer (EPG). Dieser ist hilfreich um zum Beispiel Fernsehsendungen aufzunehmen. Man blättert durch das Fernsehprogramm, findet man eine Sendung von Interesse wird diese per Knopfdruck zu Aufnahme programmiert. Der EPG ist der Hauptgrund, warum ich eine Festplatte in meinem Reciever haben wollte.

Die Programmierung meines neuen Polymerfreundes wird aber leider dadurch erschwert, dass zu häufig für zu viele Kanäle keine Senderinformationen verfügbar sind. Ob dies am Kabelanbieter oder am Gerät liegt vermag ich nicht zu deuten, es schränkt aber den Nutzungskomfort ungemein ein, denn die manuelle Programmierung des Reciever erinnert mich doch stark an alte VHS-Zeiten. Ergo: unbrauchbar.

Allgemeine Zuverlässigkeit

Obwohl die Signalqualität des Kabelnetzes gut ist (gestochen scharfes Bild – um hier auch mal etwas positives zu erwähnen) verweigern einige Sender häufig den Ton. Dieser Effekt tritt sporadisch auf, bleibt dann aber bis zum Aus- und wieder Einschalten bestehen. So reduziert sich meine Favoritenliste von knapp 30 Sendern desöfteren auf knappe 7. Häufig friert der beim schnellen Vorspulen ein. Hier hilft nur noch ein Hard Reset, d.h. das Gerät über den Hauptschalter vom Strom zu nehmen. Leider versemmelt man sich damit auch mögliche, laufende Aufnahmen. Werde das Gerät umtauschen und beobachten, ob sich ein neues Gerät hier zuverlässiger verhält.

Fazit

Mit dem HD-Reciever haben Primacom und Kaon einen schwachen Auftritt hingelegt, der noch viel Optimierungspotenzial hat. Da mein Reciever ein Mietgerät ist, darf ich ihn nichtmal in einer feierlichen Zeremonie verbrennen. Wer also aktuell genötigt ist, sich einen Kabelreciever zu kaufen, dem empfehle ich auf ein Alternativgerät umzusteigen. Leider sind die SmartCards der Primacom nicht mit allen Conax CI-Modulen kompatibel. Hier lohnt sich aber eine Recherche im Internet und man erhält die Möglichkeit seine 300EUR in gute Technik zu investieren.


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Beitragsinfo
Autor dk
Update11. Oktober 2010 um 21:23
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