Apple hat seit der Eröffnung seines AppStores für iPhone potenzielle Produktkandidaten auch darauf hin geprüft, ob diese mit seinen Moralvorstellung (insb. Jugendverträglichkeit) vereinbar sind. So sind pornografische Darstellungen in iPhone-Apps erst gar nicht in den Vertrieb gegangen. Seit der Einführung des iPads und die damit verbundene Erweiterung des AppStores in Richtung digitalisierter Printmedien, spitzt sich diese Vorgehensweise – vor allem in der Außenwahrnehmung – zu. Einige sprechen bereits von Zensur, andere warnen vor diktatorischen Tendenzen im Hause Apple. Auch die etablierte Medienwelt greift das Thema in Fernsehberichten auf und beobachtet mit Unverständnis, wie sich gestandene Verlagshäuser von Apple zur inhaltlichen Einschränkung treiben lassen.
Noch weiter geht’s?
iPadMag.de berichtet am Beispiel des Bild-Apps nun, dass nun neben quasibloßer Frauenkörper (z.B. Bikini-Fotos) auch Gewaltdarstellungen zensiert/geschwärzt werden. Dienen diese allein der Unterhaltung, kann man Apple’s Vorgehensweise (auch vor dem Hintergrund des Jugendschutzes) nachvollziehen, dient sie jedoch der Vermittlung von Wissen oder der Aufklärung über bestimmte Schachverhalte wird eine Grenze überschritten an die Pflege von moralisch getriebenen Werten und das Recht auf Information in der freien Gesellschaft aus der Balance geraten oder gar kollidieren.
Und nun?
Apple hat wie jeder andere das Recht – im Rahmen der geltenden Gesetze – selbst zu bestimmen, was sie in seinen Geschäften (auch virtuellen) verkauft wird. Gefällt dem Kunden das Angebot nicht, sucht er sich einen Alternativanbieter. An Alternativen mangelt es nicht, wenn es nicht gerade ein Tablett-PC-App sein muss.
Aus Konsumentensicht ist das Internet grenzenlos, quasi nicht kontrolliert und kann auf dem iPad bis auf wenige technische Einschränkungen entspannt durchforstet werden. Wer braucht schon eine App?
Es ist viel bedenklicher, dass sich Verlage inhaltlich derart beschneiden lassen, nur um vom iPad-Kuchen ein möglichst großes Stück ab zu bekommen. Hier trifft simpel Gier auf journalistische Ethik. Wer da mitmacht wird über kurz oder lang einfach nicht mehr gelesen.
Die Macht liegt also wie immer bei uns Konsumenten, weder bei Steve Jobs, noch bei den Verlagshäusern.
Quelle Karrikatur: mandix.at
Update 31.05.2010
Heise-Online zu folge haben der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der internationale Dachverband FIPP bereits am 15. März Jobs in einem Brief zu Gesprächen über die Regulierung der Inhalte im AppStore aufgefordert. Heise verweist dabei auf die dpa. In dem Brief hiesse es:
Wir leben in einer multikulturellen Welt. Das bedeutet, dass Inhalte, die in einem Land völlig akzeptabel sind, in einem anderen als ungeeignet erscheinen können. Einheitliche Regeln für die ganze Welt sind eine Einschränkung der Pressefreiheit und der Wahlfreiheit für die Leser.
Schön zu wissen, dass nicht gleich alle Verlage sich einfach beschneiden lassen, sondern dort Gegenwind aufbauen, wo er geboten ist. Es dokumentiert aber auch, in welcher Zwickmühle sie sich befinden. So scheint – zumindest für einige – das Motto zu gelten: erst mitmachen, dann beschweren…


