
Als frisch gebackener Jungtechnikblogger startet man zunächst mit iWeb und MobileMe (Mac-User), arbeitet sich dann über WordPress vor zu Twitter und gestaltet seine erste Facebook-Seite. Man wird mit Begriffen wie Social Media konfrontiert und begreift zunächst nicht, dass man eigentlich schon mitten drin steckt.
Irgendwann fängt man an kurze Web-URLs in kryptischen Buchstaben zu lesen und weiss auch noch etwas damit anzufangen. Der Arbeitskollege spricht von der Wolke und man nickt verständnisvoll. Spätestens hier wird es nun Zeit die Sache für mich zu reflektieren.
Social Media
Social Media sind – obwohl nicht exakt definiert – eine neue Art der Dialektik, also der thematischen Auseinandersetzung von Menschen. Diese ersetzt (nahezu herrschaftsfrei) die klassische Rollenverteilung zwischen Sender und Empfänger durch einen gleichberechtigten Austausch untereinander; insbesondere von und mit medialen Inhalten. Böse Zungen definieren Social Media auch als die technisierte Form der freien Selbstinszenierung. Je nachdem in welche Bereiche der Social Media man eintaucht, sind wohl beide Definitionen richtig.
Etwas einfacher ausgedrückt: während vor nicht allzu langer Zeit vorwiegend professionelle Autoren für ihre Leser schrieben, wird der Konsument heute selbst zum Autor indem er die Beiträge anderer kommentiert oder eigene Texte mit geringen Mitteln einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Diese werden dann wiederum von anderen Lesern kommentiert. So entsteht ein schneller, gemeinsamer Gedankenaustausch. Denken, Schreiben und Lesen erfährt eine zuvor nicht da gewesen Dynamik.
Die Verknüpfung mit medialen Informationsträgern wie Foto, Video oder Audio erweitert die Erlebniswelt. Das Filmpublikum der Vergangenheit wird dank einschlägiger Plattformen selbst zum Produzenten und stellt sich mit seinen Werken einer nahezu unendlich großen Kritikergemeinde. In erfolgreichen Weblogs, bei Flickr oder YouTube lässt sich dies eindrucksvoll beobachten.
Das Spielfeld der Social Media ist das Internet, welches man in dieser neuen Form auch gerne als Web 2.0 bezeichnet. Das dadurch freigesetzte Kreativpotenzial ist immens, das Müllpotenzial leider ebenso. Die folgende Darstellung zeigt die Bandbreite von Social Media mit ihren Service Providern.
Social Media Landschaft [Quelle: Fred Cavazza]
Durch Microblogging-Dienste wie Twitter verbreiten sich Gedanken, Werke, Bilder und Klänge in Schallgeschwindigkeit rund um den Erdball. Gespannt und bewegt verfolgten die Menschen die Demonstrationen des iranischen Volkes nach der Präsidentenwahl. Die Demonstranten hingegen schilderten ihre Lage der Weltöffentlichkeit in Echtzeit und konnten ihre persönlichen, globalen Netzwerke ins Geschehen einbinden.
In einem anderen Beispiel rutschte ein deutsches Unternehmen bei einer Produktvorstellung in ein PR-Desaster, nachdem ein anwesender Blogger einen Täuschungsversuch aufdeckte und diesen über sein Mobiltelefon innerhalb weniger Momente verbreitete. Einige Minuten später wusste es die Welt, wenige Stunden danach kommentierten hunderte Weblogs den Vorfall auch in Sprachen von denen ich bisher gar nicht wusste, dass sie existierten. Das Unternehmen arbeitet noch heute an der Wiederherstellung seines Rufes.
Social Media scheint also die ultimative Demokratisierung der Menschheit zu sein. Aber spätestens hier kommt die Cloud ins Spiel.
Die Wolke (Cloud)
Das gemeinsame Teilen, Gestalten und Veröffentlichen über den Erdball hinweg ist nur in der sogenannten Cloud möglich. Sie erhalten erst dann einen Sinn, wenn sämtliche Mitspieler auf einen mehr oder weniger gemeinsamen Datenbestand zugreifen und diesen auch verändern können. Die Wolke erlaubt genau dies.
Als Cloud bezeichnet man nicht mehr und nicht weniger als das Zusammenspiel von verteilten, meist großen Serverfarmen, die dem Benutzer Rechnerressourcen (nach Bedarf) in Form von Datenspeichern, Anwendungen und Kommunikationsschnittstellen bereitstellt. Die Serverfarmen werden vollständig oder teilweise von sog. Service-Providern betrieben.
Der Benutzer greift (von zuhause, aus dem Büro oder über das Mobilgerät) über das Internet auf die Wolke zu und tauscht mit ihr Daten aus. Der Vorteil liegt auf der Hand. Selbst auf kleinsten Mobilgeräten trägt man die ganze Welt mit sich herum. Die Datenbestände bleiben zwischen den einzelnen Geräten (Smartphones, Notebooks, Desktops, Tablets) konsistent. Das Gerät selbst wird auf Grundfunktionen wie die Ein- und Ausgabe reduziert; Daten werden nur noch in begrenztem Umfang auf dem Gerät gespeichert. Erst durch leistungsfähige Netze, Mobilität und die Cloud wird die immense Geschwindigkeit des Informationsflusses möglich, die Social Media zu einem Erlebnis machen.
Die Gefahr wird ebenso schnell sichtbar. Die ultimative Demokratisierung der Welt wird durch eine sehr begrenzte Anzahl von Unternehmen nicht zwingend gesteuert (mein Glaube an das Gute im Menschen verbietet mir diese Unterstellung), aber immerhin doch betrieben und unterhalten.
Über sog. Application Programming Interfaces (APIs) – also Schnittstellen zwischen den einzelnen Cloud-Diensten – tauschen die Serverfarmen Daten aus. Für den Anwender ist das sehr bequem, möchte er doch seine Erlebnisse, die er soeben mit glühenden Fingern in die Welt ge-twittert auch gleich in Facebook veröffentlicht sehen – ohne den ganzen Kram noch einmal schreiben zu müssen.
Eifrig verbindet er – kinderleicht, bunt und mit grossen Buttons – seine Dienste und erzeugt damit jeweils ein – zumindest teilweises – Abbild seiner Daten auf einem anderem Server und in der Hand eines weiteren Unternehmens. Die Information entzieht sich so dem unmittelbaren Zugriff des eigentlichen Besitzers. Wenn diese Informationen auch noch persönlicher oder gar intimer Natur sind, sollte der Anwender lieber dreimal nachdenken, bevor er die nächsten Dienste zusammen schaltet – es ist so einfach.
Als Mitspieler legen wir also sehr viel Vertrauen in Google, Facebook, Twitter und Co. Einige dieser Unternehmen haben bis heute kein gewinnbringendes Geschäftsmodell, was einem folgendes zu denken geben sollte: was passiert mit meinen Daten und können sie mich im Zweifelsfall kompromittieren? Mit etwas gesundem Menschenverstand kann man aber genau das sinnvoll steuern. Taucht man dann sicher ein die Wolke, erfährt man eine Erlebniswelt, die spannend ist und kreativ.
Ob Social Media wirklich die nächste Evolutionsstufe des Menschen sein wird – so behaupten es zumindest einige Fachleute – werden wir in ein paar Jahren sehen. Solange prüfen wir genau, was wir in die Wolke werfen und wie weit wir uns in ihr entblößen. Wir nehmen nicht jeden Facebook-Kontakt gleich als Freund an, schreiben in unseren Blog nicht wen wir lieben oder hassen, bleiben allgemein geschmeidig und halten den intimen Teil unserer “Life-Line” innerhalb der Familie.
Dann schreiben wir entspannt Geschichten, verfolgen unsere Freunde online im Urlauben, beteiligen uns an künstlerischen Projekten und vielleicht genießen wir auch einfach nur ein paar witzige Videos.
In diesem Sinne …. Viel Spass
Weitere interessante Links zum Thema
- G! – gutjahr’s blog Stets Beiträge im Themenumfeld
- Ibrahim Evsan: Einige Gedanken zum Cloud Computing
- Social Media bei Wikipedia
- Cloud Computing bei Wikipedia (Achtung, sehr technisch)





Andreas Frank
19. Mai 2010 ·
Kompliment! Das nenn ich mal eine gelungene Zusammenfassung!!!
Habe mir erlaubt, deine letzten 2 Absätze (die bringen die Normalität von social Networking so schön entspannt rüber ;-)) in einer Präsentation zu zitieren, die ich nächste Woche vor Zeitgenossen halte, denen das Thema immer noch höchst suspekt ist.
dk
19. Mai 2010 ·
Hallo Andreas, vielen Dank für Dein Feedback. Du kannst die Texte sehr gerne für Deine Präsentation verwenden. Ich denke, Aufklärung ist der beste Weg sich diesem Thema zu nähern – allemal besser als Ablehnung aus Unwissenheit. Viel Erfolg :)