Nachdem ich nun meinen DocBlogMac von MobileMe und iWeb auf einen neuen Server und die Plattform WordPress gebracht habe, möchte ich hier einen kurzen Abriss meiner Beweggründe abgeben. Weiterhin möchte ich eine geeignete Entwicklungsumgebung für Mac OS X umreissen. Vor zwei Jahren habe ich begonnen einen privaten Blog für Familie und Freunde zu pflegen. Dieser hat verglichen mit dem DocBlogMac bis heute ungleich viel mehr Artikel vorzuweisen. Zudem bin ich, was die Gestaltung des Blogs angeht recht sprunghaft. Kaum ist ein Design fertig, gefällt es mir schon nicht mehr – liegt wohl an meiner Profession als Entwickler (Vorsicht! Maschinenbau). So wurde mir der Aufwand der Designnachpflege für alle Artikel in iWeb irgendwann zu aufwändig. Um mich in die Templatestruktur von iWeb einzuarbeiten, war ich zu faul. Sie ist unübersichtlich und mein begrenztes Wissen an HTML half mir dort nicht wirklich weiter.
Ein weiterer Grund für den Umstieg war die Tatsache, dass MobileMe-Server für deutsche Besucher sehr langsam sind. Daher war eine flüssige Wiedergabe von speicherfressenden Medien, wie Videos nahezu unmöglich. Die Veröffentlichung von iWeb Blogs auf einem schnelleren, deutschen Server ist zwar möglich, reduziert den Funktionsumfang aber inakzeptabel stark, da zum Beispiel keine Beiträge mehr kommentiert werden können. Die entsprechende Software im Hintergrund zur Datenbankverwaltung liefert Apple auf seinen eigenen Servern, sind also auf anderen Servern nicht verfügbar.
Die folgende Tabelle zeigt einen direkten Vergleich zwischen iWeb Blog auf MobileMe und einem WordPress-Blog auf einem beliebigen Server.
| Funktion | iWeb Blog | Wordpress |
|---|---|---|
| Individuelle Gestaltung | sehr einfach, dagrafische Gestaltung wie bei Keynotes. Aufwändig nachzupflegen ohne eigene Vorlagen zu erstellen. | Grundkenntnisse in HTML und PHP sind notwendig, wenn man eine Vorlage nicht 1:1 übernehmen möchte |
| Trennung von Inhalt und Design | Nur bei Verwendung einer iWeb-Vorlage | Vollständige Trennung von Inhalt und Design |
| Versionsmanagement der Beiträge | nein, da der Beitrag als statische HTML-Seite generiert wird | ja, man kann ältere Versionen jederzeit aufrufen. Die Beiträge werden in einer MySQL-Datenbank abgelegt. |
| Erweiterbarkeit | einige interessant Widgets werden durch Apple bereitsgestellt, ansonsten aber sehr begrenzt. Das meisten muss über HTML-Bausteine eingebunden werden. | Extrem grosse Auswahl an Funktionserweiterungen für Wordpress verfügbar. |
| Mehrere Autoren | Nein | Ja |
| Eignung für Anfänger | sehr gut, da sich eine Webseite ebenso einfach Erstellen lässt, wie ein Dokument in iWork. Auch die Verwaltung der Blogbeiträge ist sehr gut | nein, da viele Tools und Coding-Kenntnisse erforderlich sind |
WordPress-Blog aufsetzen
Für mich ging die Entscheidung letztendlich in Richtung WordPress. Wie setzt man jedoch solchen einen Blog auf? Zunächst einmal benötigt man einen Webspace mit den entsprechenden Funktionen. Die wichtigsten Funktionen, die der Anbieter bereitstellen muss sind:
Der Speicher des Webspaces sollte mindestens 500MB betragen, damit etwas Luft für kleinere Medien in Deinem Blog bleibt. Wer viel mit Videos machen will, sollte schon auf Webspaces in der Größe 5-10GB aufsetzen.
Neben dem Webserver wird ein Programm zur Übertragung der Daten vom lokalen Mac auf den Webserver per FTP benötigt. Ich nutze dazu
Cyberduck ist kostenlos und bietet etliche hilfreiche Funktionen, die über das Übertragen von Daten hinausgehen. Die Installation von Worpress auf dem Server ist denkbar einfach und wird bei Worpress Deutschland ausreichend gut beschrieben und dauert wirklich nur 10min (wenn man es noch nie gemacht hat). Ebenso findet sich hier die neueste Version zum Download. Ist WordPress auf dem Server installiert kann es eigentlich losgehen, zum Bloggen wird nichts mehr zusätzlich benötigt.
Vorlagen, Widgets und Plugins
Eine erste Individualisierung lässt sich schnell im so genannten Seiten-Dashboard vornehmen. Dieses wird sichtbar, wenn man sich auf seinem neuen Blog als Administrator anmeldet (Im Standard-Template findet sich die Anmeldung im Fußbereich der Seite wieder). WordPress wird vollständig online verwaltet. Zur Gestaltung des Blogs stellt es drei Elemente zur Verfühung
1. Vorlagen (Themes)
Vorlagen definieren das Farbschema und das Layout Deines Blogs. WordPress erlaubt einem die Suche nach Vorlagen (sie heissen hier Themen) anhand von Begriffen und Eigenschaften (zum Beispiel Spaltenzahl). Jedes Thema liefert eine entsprechende Vorschau. Bei Gefallen kann das Thema geladen, installiert und aktiviert werden. Dies sind gerade mal 2 Mausklicks – sehr einfach. Ist die neue Vorlage aktiviert, erscheint das eigene Wortwerk in neuem Kleid. Der Cyberduck bleibt dabei im Stall, alles geschieht im Webbrowser. Einige der Themen stellen Optionen zur weiteren Individualisierung bereit.
2. Widgets
Widgets sind kleine Funktionalitäten, die sich in der Seitenleiste Deines Blogs per Drag & Drop anordnen lassen. Beispiel sind Stichwort-Suche oder ein Eingabe-Bereich für die Benutzeranmeldung. Neben der bereits guten Grundausstattung von WordPress, lassen sich auch Widgets (als Plug-ins) von Drittanbietern in WordPress suchen und installieren.
3. Plug-ins
Plug-ins sind zum Teil sehr umfangreiche Funktionen, die sich vollständig in Deinen Blog integrieren lassen. Diese gehen von Mail-Services, über komplette Adressverwaltungen oder auch Funktionen zur Einbindung von Medien. Plug-ins erscheinen mir in ihrem Umfang nicht limitiert und lassen sich zum Teil sogar beim Schreiben des Artikels über bestimmte Befehle aufrufen oder einbinden. Die Tabelle oben wurde zum Beispiel durch ein komfortables Plugin erstellt und eingebunden. Die Suche, Installation und Aktivierung entspricht dem Vorgehen in 1. und 2.
WordPress-Entwicklung in Mac OS X
Wem bei der Verwendung von vorgegebenen Themen die Individualisierung nicht weit genug geht, dem bleibt kaum etwas anderes übrig, als eigene Vorlagen zu erstellen. Eine effektive Arbeitsumgebung ist dafür Voraussetzung. Meine Arbeitsumgebung habe ich exemplarisch als Screenshot dargestellt.
Für die Bearbeitung meiner Vorlagen nutze ich die folgende Software:
- XAMPP als Webserver auf meinem lokalen Mac, damit ich bei der Gestaltung meiner Vorlagen nicht auf dem Zielserver arbeiten muss und trotzdem die Konsequenzen meines Handels sofort testen kann. So verschwende ich keine Zeit mit exzessiven FTP-uploads und kann mich voll und ganz auf den kreativen Akt konzentrieren.
- Ein Texteditor, der wichtige Codesprachen wie HTML, CSS oder PHP erkennt ist Pflicht. Schnell ist ein Layout durch falsche Klammersetzung oder kleinere Syntaxfehler zerschossen. Gut, wenn der Texteditor dieses farblich kennzeichnen kann. Ich verwende TextWrangler.
- Ein Bildbearbeitungsprogramm zur Gestaltung der grafischen Elemente der Vorlage. Ich verwende dazu Photoshop CS3 und Apple iPhoto.
- Alle gängigen Webbrowser zum Testen. Dies vernachlässige ich manchmal etwas, da mir die Darstellung im Microsoft Internet-Explorer relativ egal ist. Alle anderen Browser folgen üblicherweise den selben Web-Standards.
Für die Code-Recherche sind die folgenden Referenzen sehr hilfreich
- SelfHTML als Wissensdatenbank für HTML, PHP, CSS und Java
- WordPress-Doku mit ihren Foren und Hilfen
- Die übrlichen Suchmechanismen des Internets
Zur Speicherung von immer wieder verwendeten Codeschnipsel ziehe ich meine Bento-Datenbank zur Hilfe. Man kann Codeschnipsel aber auch einfach im TXT-Format abspeichern und mittels Spotlight im Finder durchsuchen. Ich persönlich finde die Datenbank ansprechender.
Ich hoffe, dass ich die Entscheidung für die richtige Blogging-Plattform etwas erleichtert und jedem, der einen Blog auf WordPress starten möchte, die nötigen Werkzeuge hinreichend vollständig aufgelistet habe. Deswegen kann ich nur noch viel Erfolg bei der Umsetzung wünschen.



