Ich habe heute beim Brötchen holen die Gelegenheit zu einen Gerätetest genutzt und meine drei Geo-Tagger in einen direkten Wettbewerb gestellt. Der Test ist natürlich auf wissenschaftlich niedrigstem Niveau gehalten, schliesslich wollte ich noch zum Frühstück zurück sein. Unter Geo-Tagging versteht man im Allgemeinen das Aufzeichnen von GPS Signalen um den eigenen Bewegungspfad zu verfolgen und diese dann als Information bestimmten Medien (zum Beispiel Bildern) anzuhängen (taggen). Das pure Aufzeichnen von GPS-Daten wird im neudeutschen Volksmund als GPS-Tracking bezeichnet.
Der Nutzwert dieser Daten ist vielfältig. Meine praktischen Beispiele sind:
Kodieren von Fotos mit Geodaten (Geo-Tagging)
Das Foto erhält eine genaue Positionszuordnung. Diese kann von verschiedenen Programmen wie iPhoto (Funktion: Orte) oder Google Earth verarbeitet werden. So weiß man auch noch nach langer Zeit, wo genau das Foto aufgenommen wurde. Dies ist ganz praktisch bei Urlaubsfotos.
Dazu müssen die Bilder jedoch “geokodiert” werden. Das heisst, die Ortsinformationen werden in die Meta-Daten des Bildes geschrieben. Dies geschieht im Allgemeinen mit speziellen Tools (z.B. GPS Photolinker), die die Zeitinformation der Aufnahme mit der in den GPS-Aufzeichnungen vergleicht und somit dem Bild eine Koordinate auf unserer schönen Erde zuweisen kann.
Strecken, Pfad- und Geschwindigkeitsmessungen (GPS-Tracking)
Ein Gerät (der Geo-Tagger) zeichnet während des Laufens, Spazierengehens oder Skifahrens die jeweilige Position auf. Man kann den Bewegungspfad im Nachhinein zum Beispiel in Google Earth betrachten und/oder hinsichtlich Laufstrecke, Höhenmeter oder Bewegungsgeschwindigkeit auswerten. Auf diese Art und Weise kommen auch die Skirouten in diesem Blog zustande. Für das Aufzeichnen von Geo-Daten gibt es unzählige Geräte auf dem Markt. Leider scheitert die Verwendung am Mac dann häufig aufgrund von mangelnder Software für die Datenauswertung. Drei mir bekannte Geräte können jedoch bequem am Mac betrieben werden
Das iPhone mit der entsprechenden App „Trails“ (2,99 EUR im App-Store) kann Geodaten mit dem internen GPS-Sensor aufzeichnen. Es findet sehr schnell ein Signal und kann mit der Aufzeichnung sofort loslegen. Leider muss das iPhone während der Aufzeichnung in Betrieb sein, so dass nach verhältnismäßig kurzer Zeit der Akku leer ist. Telefongespräche etc. stoppen die Aufzeichnung und man muss sie nachher wieder manuell starten. Damit ist das iPhone gut geeignet, um einen Waldlauf taggen, allerdings weniger gut um es bei einer Städte- oder Skitour permanent laufen zu haben.
Vorteile
- geringe Zusatzkosten von 2,99 EUR
- kein zusätzliches Gerät
Nachteile
- relativ ungenau
- hoher Energieverbrauch, nicht langzeittauglich
Amod AGL3080
Dieses Gerät (ca. 90 EUR) wird mit 3 AAA-Akkus betrieben, hat ein extrem robustes Gehäuse (Outdoor-Sport geeignet) und besitzt einen ausreichend großen internen Datenspeicher. Einmal aufgeladen und gestartet, ist es in der Lage über 20 Stunden Daten zu „taggen“. Das reicht locker, um ein ganzes Wochenende mitzuschreiben. Das Gerät findet sehr spät – einige Minuten – einen Satelliten (man muss sich draussen befinden). Hat er das Signal jedoch einmal eingefangen, misst es extrem präzise. Die Geodaten können dann mit freier Software wie GPS Babel und GPS Photolinker weiterverarbeitet werden.
Vorteile
- sehr robust
- lange Aufzeichnungszeiten
- sehr präzise
- Zeitabstand der Messpunkte einstellbar
Nachteile
- Akkus müssen zum aufladen entnommen werden
- Satellit wird spät gefunden
- etwas umständlicheres Datenhandling, weil kein Standarddatenformat verwendet wird.
Networx iGeo
Dieses Gerät (ca. 100EUR) ist eine Mac-Variante der QStarz Sport-Tagger BT Q1300S. Es ist relativ kompakt und besitzt einen internen Akku, der über den USB-Port aufgeladen wird. Einmal gestartet findet der iGeo schnell einen Satelliten und zeichnet auf. Leider kann der iGeo nur in 5s Abständen messen. Die ist mehr als ausreichend für das Laufen und Skifahren, wird aber zum Beispiel bei Reisen im Auto oder Zug schon grenzwertiger. Für Städtereisen mit Fotos reicht das allemal. Die Akkulaufzeit beträgt max. 12h. Das Handling der mitgelieferten Software HoudahGeo (ohne iGeo ca. 30USD) ist zunächst gewöhnungsbedürftig, geht nach kurzer Zeit aber recht flott von der Hand. Zudem erspart man sich beim iGeo das Kabelgestecke, weil das Gerät die Daten per Bluetooth überträgt.
Vorteile
- sehr kompakt
- USB laden möglich
- ziemlich präzise
- Datenübermittlung per Bluetooth
- Mac-Software HoudahGeo im Lieferumfang
Nachteile
- etwas billiges Gehäuse
- nur mittlere Akkulaufzeiten
- Zeitabstand zwischen den Datenpunkten kann nicht eingestellt werden.
Fazit
Das iPhone ist eigentlich als Geo-Tagger nicht wirklich geeignet (Akkulaufzeiten, Präzision) macht als kleines Goodie aber Spaß. Der Amod liefert die besten Daten und ist sehr robust, ist aber leider im Handling etwas umständlicher. Da man aber nicht täglich Daten aufzeichnet ist dieser Nachteil eher zweitrangig. Der iGeo ist kompakt und findet schnell einen Satelliten. Das Daten-Handling ist verhältnismäßig einfach durch die mitgelieferte Software.
Nachtrag: Einsatz im Winter
Ich habe in einem Thread der maccommunity.de die Befürchtung vernommen, dass der iGeo durch seine verhältnismäßig geringe Akkulaufzeit bei Kalttemperaturen ungeeignet sei. Ich habe das Gerät an zwei Skiwochenenden bei Temperaturen von zum Teil bis zu -11°C getestet. Der iGeo übersteht locker einen gesamten Skitag (9-17 Uhr im Gebirge). Man muss ausserdem berücksichtigen, dass der Tagger üblicherweise in Körpernähe (Jackentasche, Brusttasche) getragen wird, so dass er extrem niedrigen Temperaturen nicht ausgesetzt ist. Anbei ein Beispiel vom Kitzsteinhorn bei Kaprun (2000-3000m).
1 Tag Kitzsteinhorn mit iGeo (2010)
2 Tage Kitzsteinhorn mit Amod (2009)
Weiterführende Links:





